Route 66: Die Geschichte der „Mutter aller Straßen“

Historische Route 66: Die Anfänge

Mitte der Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts stieg die Zahl der Automobile in den USA rasant – auch aufgrund der sagenhaften Absatzzahlen des „Modell T“ von Ford. Ein Ausbau des bis dahin dürftigen Straßennetzes wurde zwingend nötig. Es gab es nur eine Straße in den USA, die Ost und West miteinander verband: den Lincoln Highway zwischen New York und San Francisco, 1913 eröffnet, 5454 km lang.

Nun machte sich ein gewisser Cyrus Stevens Avery aus Tulsa (Oklahoma) daran, eine Verbindung zwischen Chicago und L.A. zu planen.

1926 wurde damit begonnen, die Überlandroute auszubauen – zunächst in Etappen und durch das Verbinden von bereits existierenden Straßen. Es ging nicht darum, die kürzeste Verbindungen zwischen den beiden Großstädten herzustellen, sondern um die Anbindung möglichst vieler Ortschaften. Als Namen bekam die Route eine Nummer: die 66.

Die Straße der Hoffnung

Es dauerte bis Ende der Dreißigerjahre, bis die Asphaltierung der Route 66 abgeschlossen war. Zu dieser Zeit war bereits – neben der Weltwirtschaftskrise mit ihren verheerenden Folgen – der „Dust Bowl“ über die Bewohner des Mittleren Westens hereingebrochen: eine jahrelang anhaltende Dürre mit nicht enden wollenden Staubstürmen. Viele Menschen suchten ihr Heil im Westen und reisten über die Route 66 nach Kalifornien.

1939 beschrieb John Steinbeck diese Migration in seinem Roman „Die Früchte des Zorns“ (Pulitzer-Preis 1940): „Sie kommen auf die 66 von Seitenstraßen, von Feldwegen, von Dorfstraßen. Die 66 ist die Mutterstraße – die Straße der Flucht.“ Bereits ein Jahr später folgte die Verfilmung von Meisterregisseur John Ford mit Henry Fonda in der Hauptrolle.

Auch wenn sich der Traum der Protagonisten vom goldenen Westen im Buch nicht erfüllt, wurde die Route 66 für die Amerikaner ein Synonym für die Hoffnung in Zeiten der Depression.

Bilder:
© Oklahoma: Lori Duckworth/Oklahoma Tourism

JETZT MOTORRADREISE BUCHEN BEI CU | RIDER!

Kicks on Route 66

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann der eigentlich Boom der Route 66, der ihre Geschichte bis heute prägt.

Große Straßenkreuzer wurden zum Ausdruck des wirtschaftlichen Aufschwungs, überall entlang der Route 66 öffneten Restaurants, die sogenannten Diner, sowie Motels mit blinkenden Neonschildern und viele Geschäfte. Die Route 66 wurde zu einer der meistbefahrenen Straßen der USA.

Auch der Komponist Robert William Troup war hier unterwegs und schrieb 1947 den Song „(Get your Kicks on) Route 66“. In der Interpretation von Nat King Cole wurde er zu einem Riesenhit, später coverten unter anderem Bing Crosby und die Rolling Stones das Lied. Sogar eine TV-Serie (1960 bis 1964) trug den Namen „Route 66“.

Der kalifornische „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“-Lifestyle sorgte in den Sechzigerjahren noch einmal für einen großen Treck Richtung Westen. Dabei waren die Tage der Route 66 zu dieser Zeit schon gezählt: US-Präsident Dwight D. Eisenhower hatte 1945 in Deutschland das Autobahnsystem kennengelernt und befürwortete bereits Anfang der Sechziger einen neuen Straßentyp: den mehrspurigen Interstate-Highway.

Route 66: Geschichte wiederholt sich

Die neue Autobahn entstand Stück für Stück entlang der Route 66, bis sie diese ganz ersetzte. 1985 war es vorbei mit der Route 66, die letzten Schilder wurden abgebaut. Aber da war bereits eine neue Sehnsucht rund um die die legendäre Straße entstanden: Wieder wurde die Route 66 zu einem Symbol der Freiheit – ausgelöst zu einem großen Teil durch den Film „Easy Rider“ (1969), in dem die Protagonisten ein Amerika abseits des reaktionären Spießertums suchen.

Eine entscheidende Rolle spielten dabei die Motorräder, auf denen Peter Fonda und Dennis Hopper unterwegs waren – zwei Harley-Davidsons.

Auch heute treffen sich noch viele Biker auf ihren Harleys zu regelmäßen Touren auf der alten Route 66.

Seit den Neunzigerjahren halten viele Vereine in den Ortschaften entlang der Route 66 die Erinnerung an die Straße hoch. Das ist nicht alles: Es gibt Museen, Souvenirshops, Fanclubs und neue Straßenkarten, die den Verlauf der historischen Route 66 beinhalten. Bücher und Internetseiten beschäftigen sich mit der „Straße der Freiheit“, und nachdem der US-Kongress die Straße zum nationalen Kulturerbe erklärte, bekommt sie als „Historic Route 66“ an vielen Orten wieder Straßenschilder unter ihrem ursprünglichen Namen. Die Route 66 – ihre Geschichte ist lange noch nicht vorbei!

Bilder:
© Gruppe: Eagle Rider
© Mittlerer Westen: Kansas and Oklahoma Travel and Tourism

CTA USA Route 66