Kraftrad-Pionier: Die legendäre Indian Motocycle Company

Produktionsbeginn mit Einzylinder-Motoren

Klein fängt man an – auch auf zwei Rädern: Nachdem im Jahr 1901 der Fahrradfabrikant Georg Hendee auf den Ingenieur Oscar Hedstrom zuging, um ihm eine Geschäftskooperation vorzuschlagen, wurden im selben Jahr die ersten drei Krafträder der Indian Motorcycle Company gebaut, wie das Unternehmen anfangs hieß.

Die Produktion zog schnell an:

Bereits im folgenden Jahr fanden 143 Exemplare den Weg auf die Straßen der USA, bis Ende 1906 waren es bereits fast 4.000 Kräder, die die Fabrik der beiden Firmengründer verließen

Alle mit Einzylinder-Motoren ausgestattet, die mit modifizierter Ventilsteuerung und größerem Hubraum bis 1919 angeboten wurden.
Auch bei den anderen Komponenten bewies die Company echte Innovationsstärke: Hedstrom und Co erfanden schon im Jahr 1904 den Gasdrehgriff und 1905 die Pendelgabel – sie wurden beide patentiert.

Die meisten von der Indian Motocycle Company gefertigten Motorräder hatten später großvolumige Zweizylinder-V-Motoren mit einer Seitenventil-Steuerung.

Sie erfreuten sich nicht zuletzt wegen der niedrigen, besonders bequemen Positionierung des Sitzes großer Beliebtheit.

Bilder:
© Chief-Vintage; Chieftain: Eagle Rider
© Indianerkopf: popgallery / Shutterstock

Weg mit dem „r“: Aus Indian Motorcycle Company wird Indian Motocycle Company

Firmengründer Georg Hendee war es, der bereits früh Ideen lieferte, die später den Markenkern der Indian Motocycle Company ausmachen sollten:

Der Begriff „Indian“ sollte in Verbindung mit dem Farbton „Indian Red“ an die Pionierzeit des amerikanischen Westens erinnern, ebenso wie der markante Schriftzug und der von 1912 bis 1939 auf dem Tank lackierte Indianerkopf. Hendee war es auch, der aus Marketinggesichtspunkten den ursprünglichen Namen „Indian Motorcycle Company“ 1902 in „Indian Motocycle Company“ ändern lies.

Heute hat das Unternehmen nach seiner jahrzehntelangen, wechselvollen Geschichte das „r“ wieder in den Namen integriert.

Die Zweizylinder-Zeit der „Indians“

Schon im Jahr 1907 stellte die Indian Motocycle Company ihr erstes Modell mit zwei Zylindern vor, dessen Hubraum zuerst 577 Kubikmeter betrug, bei späteren Maschinen waren es dann 988 Kubikmeter. Die Motoren wurden via Batterie gezündet, besaßen eine IoE-Ventilsteuerung und fünf bis sieben Pferdestärken Leistung.

Ein weiterer Meilenstein der Indian-Kräder war die 1916 bei den sogenannten Power-Plus-Modellen eingeführte Seitenventil-Steuerung, die zu dem Zeitpunkt ein Alleinstellungsmerkmal war und maßgeblich zum Erfolg der Marke in den folgenden Jahren beitrug: Die Indian Motocycle Company wuchs in den Jahren von 1913 bis 1917 zum größten Motorradhersteller der Welt heran, nicht zuletzt auch durch Lieferungen an das Militär während des Ersten Weltkriegs. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts prägten die verschiedenen Chief- und Scout-Modelle der Company das öffentliche Bild der USA mit, allein fast 70 Prozent der US-Motorradpolizisten fuhren Kräder von Indian.

Konkurs und Wiederauferstehung der Indian Motocycle Company

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Indian Motocycle Company in unsichere Fahrspuren: Gründe waren hierfür unter anderem die häufigen Wechsel im mehr oder weniger erfolgreichen Management, eine zu große Produktpalette, technische Fehlentwicklungen und last but not least die Konkurrenz aus dem Hause Harley-Davidson.

1953 meldete die Company Konkurs an, und es folgten in den folgenden Jahrzehnten nicht weniger als sechs Versuche, die Marke „Indian“ wieder in irgendeiner Form zu revitalisieren. Erst der siebte Versuch im Jahr 2011 war erfolgreich, nach dem Kauf durch das Unternehmen Polaris Industries ist die Marke wieder mit neuen Motorradtypen auf Kurs – zur Freude vieler Zweirad-Enthusiasten.

Bilder:
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© Schwarze Maschine: Grzegroz Brzeczyk / Shutterstock

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