Biker: Alles Verbrecher und Schläger?

Hells Angels haben die öffentliche Wahrnehmung geprägt

Die Hells Angels sind die weltweit berühmteste Biker-Gang. Gegründet 1948 in Kalifornien, verbreitete sich der MC (Motorcycle Club) in den sechziger Jahren zuerst in den USA, dann weltweit. Den Hells Angels hing immer ein gewisses Outlaw-Image an, was sie auch selbst pflegten. Sie bilden eine Subkultur, in der die eigenen Werte und Normen wichtiger sind als die der Gesellschaft. Schnell kam es zu ersten Auseinandersetzungen der Hells Angels mit Ordnungshütern, schnell waren diverse Mitglieder in kriminelle Aktivitäten verwickelt. Auch in Deutschland, wo sie seit 1973 existieren, kamen und kommen die Hells Angels mit dem Gesetz in Konflikt. Regelmäßig sorgt der Konflikt mit der rivalisierenden Bandidos-Gang für gewaltiges Rauschen im Blätterwald. Immer wieder werden Mitglieder der Hells Angels, auch in Deutschland, wegen Delikten wie Prostitution, Schutzgelderpressung, Waffen- und Drogenhandel und sogar Mord angeklagt.

Einige Charter (Ortsgruppen) wurden verboten.

Man könnte meinen, das Leben als Mitglied einer Biker-Gang würde so verlaufen wie in der US-Fernsehserie „Sons of Anarchy“, in der ein fiktiver kalifornischer MC in fast jede erdenkliche Missetat verwickelt ist. Dabei ist das Selbstverständnis der Hells Angels ein anderes: Offiziell vertreten sie Werte wie Freiheit, Ehre, Loyalität und Respekt und beklagen sich über das angeblich verzerrte Bild, das die Medien von ihnen zeichnen. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, in der Mitte: Viele Hells Angels sind in der Tat im kriminellen Milieu zu Hause, eine viel größere Zahl aber lässt sich nichts zuschulden kommen – außer vielleicht mal ein etwas lautes Bike fahren.

Bilder:
© Helm: Nestor Rizhniak
© Armdrücken: CREATISTA
© Indian: Andrzej Fryda

Die wahre Biker-Philosophie

Vielleicht sollten wir uns lieber an den Klassiker „Easy Rider“ (1969) halten, wenn wir die wahre Biker-Philosophie ergründen wollen.

Der wichtigste Motorrad-Film aller Zeiten brachte zum Ausdruck, was Männer (und Frauen) auf schweren Maschinen wirklich suchen: Freiheit und Individualität.

Genau das ist es, was die große Mehrheit der Motorradfahrer auch heute noch in den Bann zieht – die Verwirklichung eines Traums, die Suche nach ein bisschen Abenteuer in einer Zeit, in der vielen ihr gesamtes Leben als reglementiert erscheint. Ein Besuch der Hamburger Harley Days zum Beispiel zeigt ein ganz anderes Biker-Bild als das Klischee des knochenbrechenden Kriminellen.

Hier versammeln sich alljährlich bis zu eine halbe Million Biker und Zweirad-Fans, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Und dabei geht es friedlicher zu als auf jedem beliebigen Schützenfest.

Bilder:
© Stadt; Wüste Gruppe: Eagle Rider

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